GIS für Wellenreiter

Wenn ein Mensch von einem Hai angegriffen wird, wird das von den Medien in der Regel dankbar aufgegriffen – und so erhalten diese Fische dann ihre Aufmeerksamkeit. Und das, obwohl Hai Attacken nicht wirklich häufig sind: In West Australien, der Gegend mit den angeblich meisten Hai Unfällen weltweit starben in den letzten beiden Jahren angeblich 6 Menschen durch Hai Angriffe.

Nun haben Forscher in Australien zahlreiche Haie mit Sendern ausgestattet. So was machen Forscher ja öfters. Neu in diesem Fall ist eine echte Geofencing Anwendung: Nähert sich einer der Haie mehr als einen Kilometer der Küste, wird ein Tweet erzeugt, mit dem Surfer dann gewarnt werden (können).

So weit ist es schon gekommen: Auf der Welle wird getwittert…

Hier ein Beitrag mit weiteren Infos und dem Twitter Account – falls Ihr dieser Tage einen Wellenritt in Australien plant.

Die Geographie von Twitter

Das könnte bald als Standardwerk gelten: Unter dem Titel „The Geography of Twitter“ ist ein wissenschaftliches Papier erschienen, das absolut lesenswert ist. Jedenfalls für all diejenigen, die sich damit auseinandersetzen, wie man Twitter für geographische Auswertungen nutzen kann.

Es beschreibt so ziemlich alles, was mit Raum und Twitter zu tun hat: Wie viele Tweets auf welche Art einen Rückschluss auf den Ort des Nutzers zulassen, wie viele Nutzer wo ihre Tweets geokodiert absetzen, und Einiges mehr.

Kurz zusammengefasst: 1,5 Mrd Tweets von 70 Mio. Usern im November 2012 wurden ausgewert. Davon sind ca. 3% geokodiert in dem Sinne, dass die Anwender ihren Ort preisgeben. Allerdings ließen sich durch Geokodierung der Tweets insgesamt ca. 34% der Tweets kartieren. Die Methoden dazu werden grob beschrieben. Rund die Hälfte der Tweets haben mit dem näheren Umfeld zu tun. Und zur Frage, wie relevant Twitter ist: „where there is electricity, there are tweets.“


Europa in drei Minuten

Das hier finde ich mal klasse: Europa in drei Minuten. Fachlich zwar eher Geschichte denn Geographie, technisch trotzdem klasse. Dynamische Karten hatte ich bereits einige vorgestellt, und ich muss sagen: Das gefällt mir!

Hier nun also Europa der letzten 1.000 Jahre in knapp drei Minuten. Beeindruckend, wie wenig stabil dieser Kontinent in der Vergangenheit war. Erstellt wurde das übrigens von einem Herrn Reed bei Centennia Software. Die haben auch alle Rechte an diesem Video.


Die Vermessung der Schweizer GIS Szene

Ralph Straumann hat schon mal einen sehr interessanten Beitrag geschrieben – damals ging es um die geokodierte Fotos, die auf einer dynamischen Karte dargestellt wurden.

Nun hat er die schweizerische GIS Szene 2.0 in Twitter „vermessen“, also die virtuelle Landschaft beschrieben: Was verbindet die Leute miteinander und warum. Sehr lesenswert. Wirklich. Vor allem, wenn man sich als Geograph mal ernsthaft mit dem Begriff „Landschaft“ auseinandergesetzt hat.


Fachkräftemangel in der Geobranche

Spiegel Online zitiert Udo Stichling, den Präsidenten des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation (DDGI): „Der Fachkräftemangel hat auch die Geobranche erreicht: Sowohl in Behörden als auch in der Privatwirtschaft werden qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt.“ – was die Leser, die zu diesem Artikel Kommentare hinterlassen haben, skeptisch sehen. Beides stimmt, es kommt halt – wie so oft darauf an, was man sucht: GIS Anwender, die Auswertungen und Karten erstellen? – eher kein Mangel. Menschen mit tiefgehenden IT Kenntnissen und Verständnis für Geodaten, die den Anwendern in Unternehmen und Behörden das Arbeiten ermöglichen? – Die sind noch immer selten.

Das Problem ist aber doch, dass Geodaten heute so „omnipräsent“ sind, dass das Berufsbild enorm vielfältig ist und daher die dazu benötigten Qualifikationen vielfältig sind. Von Softwareentwicklern über Analysten, Menschen, die den Betrieb von IT-Systemen sicherstellen zu Vertrieblern, Datenerfassern und Qualitätssicherern gibt es jede Menge Tätigkeiten! Da kann der Ausbildungsberuf nur die Grundlagen legen. Bleibt lediglich die Frage, ob die Ausbildung so gut ist, dass die Geomatiker wirklich raus in die Welt von Google Maps etc. kommen.

In dem Artikel wird der Ausbildungsberuf des Geomatikers vorgestellt: Man lernt als Azubi, Geodaten zu erfassen, zu visualisieren und zu vermarkten. „Dabei müssen [die Azubis] immer im Blick haben, welchem Zweck die Aufbereitung der jeweiligen Daten dienen soll.“ Der letzte Satz lässt mich hoffen, dass es noch was wird mit den amtlichen Daten in der Wirtschaft…


Cloud Offloaded GPS

Da GPS Empfänger einen Stromverbrauch haben, der alleine dazu führen könnte, dass die Energiewende scheitert, hat sich Microsoft des Themas angenommen. Wahrscheinlich haben das mehrere Unternehmen, mir ist aber dieses Paper aufgefallen.

Die Idee: Der GPS Empfänger empfängt nur für sehr kurze Zeit (< 2ms) GPS Signale und sendet sie dann an einen Server. Hier werden die Daten weiterverarbeitet und mit anderen Datenquellen verschnitten, so dass man am Ende eine recht genaue Position (Genauigkeit < 35m) erhält. Dafür wird allerdings der Stroverbrauch um mehrere Potenzen gesenkt.

Damit ist klar, dass das Verfahren für Smartphones kaum taugt. Anwendungen wie Geofencing oder Tracking von Schiffen, zoologische Analysen etc. bekommen damit allerdings ganz neue Möglichkeiten.


Das präsenteste Land in Wikipedia

Eine interessante Studie: Über welches Land wird am meisten in Wikipedia nachgeschlagen?

Um das herauszufinden, haben ein paar Leute page views über einen Zeitraum von 2009 bis 2013 ausgewertet und festgestellt, dass die USA das (zumindest in Wikipedia) interessanteste Land sind. Gefolgt von England, Deutschland, Frankreich, Spanien, Japan und weiteren Indstrienationen. China, Indien und Brasilien sind nicht unter den Top 10.

Interressant folgende Tabelle:

Quelle: http://www.zerogeography.net/2012/11/the-most-visible-country-in-europe-on.html

Sie zeigt, dass die Zusammenhänge sowohl zwischen der produzierenden als auch der konsumierenden Nutzung von Wikipedia und den spezifischen Inhalten sehr groß ist. Kein Wunder eigentlich. Spannend finde ich allerdings in der Tat, dass China sich hier noch hinter Russland wiederfindet – in absoluten Zahlen wohlgemerkt. Gibt es dort ein eigenes Wiki?


Stadtcharakterisierung auf Basis Street View

Was zeichnet eigentlich eine Stadt aus? Dieser Frage widmeten sich diverse Plattformen, zumeist nutzen sie soziale Kriterien.

Dieser Artikel berichtet von einem Forschungsprojekt, in dem Städte anhand ihres architektonischen Stadtbildes charakterisiert werden: Was macht eigentlich das Typische am Stadtbild einer Stadt aus? Dazu wurden Daten aus Google StreetView systematisch analysiert. Wer’s ausführlich mag, kann dieses Paper lesen, wer weniger viel lesen mag, schaut auf diese Seite. Ganz klcikfaule schauen sich dieses Video hier an:


Nicht ganz 80% aller Informationen haben einen Raumbezug

Die These, dass 80% aller Informationen einen Raumbezug haben, ist weit verbreitet, und wird in unserer Branche immer wieder gerne zitiert. Seit Ende 2011 haben Stefan Hahmann und Dirk Burghardt am Institut für Kartographie an der TU Dresden diese These wissenschaftlich unter die Lupe genommen.

Stark vereinfacht gesagt, wurde anhand von Wikipedia Artikeln (die Informationen darstellen) untersucht, wie viele dieser Artikel einen direkten Raumbezug in Form von Koordinaten haben und wie weit die anderen davon weg sind. Zusätzlich wurde anhhand einer Befragung untersucht, inwieweit Probanden Informationen (Worte) mit einem Raumbezug in Verbindung brachten.

Ebenfalls stark vereinfacht ist das Ergebnis: „Nur“ 57% der untersuchten Informationen haben einen (direkten) Raumbezug.

Bin gespannt, wann wir diese Zahl in den Werbeunterlagen sehen…

Wer’s weniger einfach sondern eher ausführlich mag: hier lesen! Es ist lesenswert.


Wer trägt wie viel zu OSM bei

Die Leute von der Uni Heidelberg haben mich schon mit ihrem Artikel über die Qualität der OSM Daten beeindruckt. Nun haben sie eine weitere Studie veröffentlicht, in der es darum geht, wer wie und wieviel zu OSM beiträgt.

Meine Zusammenfassung:

Nur ein kleiner Teil der registrierten Menschen trägt dauerhaft und über einen längeren Zeitraum Daten zu OSM bei. Klar, steht ja auch auf der ersten Seite. Die höchste Aktivität gibt es in Deutschland. Die höchste Aktivität findet zwar in unseren Abendstunden und Sonntags statt, dennoch findet Einiges an Erfassung während der mitteleuropäischen Arbeitszeit statt. Was bedeutet, dass entweder die Leute ihre Arbeitszeit „missbrauchen“, um OSM Daten zu erfassen, oder beruflich motiviert (mit Unterstützung ihres Arbeitgebers) Daten erfassen oder aber: die meisten Beitragenden sind Studenten.

Bin gespannt, ob auch diese Studie es wie die letzte in die Süddeutsche Zeitung schafft.