Priorisieren – aber richtig

Wer hat das nicht selber schon einmal erlebt: Der Kunde hat zwanzig Wünsche und alle sind superwichtig, superdringend und absolut unverzichtbar. Das Problem: Die Ressourcen reichen nicht aus und manche dieser Anforderungen widersprechen sich sogar.

Wenn man Glück hat, ist Bereitschaft zur Priorisierung vorhanden. Dann wird in der Regel nach dem Muster A, B, C (oder auch 1,2,3 oder „Must Have“, „Should Have“ und „Nice to have“) vorgegangen. Das Problem: Es gibt dann immer noch zu viele Anforderungen, die mit „A“ priorisiert sind. Oder – wie ich es immer mal wieder erlebt habe, mit „A Plus“…

Es gibt ein recht gutes Priorisierungsverfahren, das ich hier kurz vorstellen möchte – allein es zu kennen, reicht in der Regel nur leider nicht aus. Ein Höchstmaß an erzieherischen Fähigkeiten hilft ungemein.

Wiegers Priorisierungsmatrix ist ein Verfahren, bei dem man einzelne Anforderungen priorisiert, indem man bewertet,

  • welchen Nutzen man hat, wenn die Anforderung umgesetzt wird,
  • welchen Schaden man erleidet, wenn man eine Anforderung nicht umsetzt,
  • wie hoch der Aufwand bzw. die Kosten sind,
  • wie hoch das Risiko ist.

Diese Bewertung geschieht auf einer Skala von 1 bis 9, die Nutzenbewertung kann von mehreren Parteien oder Anwendergruppen durchgeführt werden, wobei jede Gruppe ein unterschiedlichen Einfluß (Gewicht) bekommen kann.

Demgegenüber werden dann noch das Risiko und der Aufwand gestellt – beides wieder auf einer Skala von 1 bis 9, beides wieder gewichtet – und dann erhält man eine Priorität. Will man das Risiko nicht bewerten, dann setzt man das Gewicht hier auf „0“.

Das Ganze schaut dann in einem Excel Sheet so aus:

In Zeile 3 stehen die Formeln, die in den darunterliegenden Zeilen Anwendung finden.

Wie gesagt, man kann auch mehrere Parteien (neudeutsch: Stakeholder) berücksichtigen, dann müssen die Spalten B und C dupliziert werden. Dabei ist Folgendes zu berücksichtigen:

  • Erfahrungsgemäß sollte dann nicht der Nutzen und Schaden separat je Stakeholder gewichtet werden – Die Gewichtung der einzelnen Stakeholder macht hier mehr Sinn.
  • Wie man damit umgeht, wenn eine Partei eine Anforderung höchstmöglich bewertet, alle anderen aber sehr gering – das sollte vorher klar sein.

Etwas mehr Hintergrund zu diesem Thema gibt es in diversen Büchern zum Thema Anforderungsmanagement oder IT Produktmanagement. Oder auch hier: http://bit.ly/zaZSUa


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