Open Geodata in Europa

Ich habe gerade einen sehr interessanten Vortrag zum Thema OpenData gehört, den ich eigentlich nicht zusammenfassen muss, weil das ist in dem Video hier unten eigentlich schon geschehen.

Marc de Vries spricht von drei Phasen beim Openmachen von Daten:

sewing phase: der Aufwand bei der Behörde ist hoch, der Preis ist Null und der Bedarf steigt langsam an

growing Phase: es werden Umsätze mit den Daten erzeugt, z.B. durch Diesntleistungen, Sekundärprodukte etc.

harvesting Phase: es sind zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, die dem Staat zusätzliche Einnahmen bescheren. Dazu gab es ein paar konkrete Rechenbeispiele, die ich (sofern ich die bekomme) hier posten werde.


Berliner Geodaten frei verfügbar

Diese Nachricht verbreitete sich in den letzten Tagen rasend und weitgehend mit positiver Resonanz im Netz: Das Land Berlin stellt seine Geodaten zur freien Nutzung für kommerzielle und nicht-kommerzielle Zwecke frei.

In den Nutzungsbedingungen steht:

Geodaten und Geodatendienste, einschließlich zugehöriger Metadaten, werden für alle derzeit bekannten sowie für alle zukünftig bekannten Zwecke kommerzieller und nicht kommerzieller Nutzung geldleistungsfrei zur Verfügung gestellt, soweit durch besondere Rechtsvorschrift nichts anderes bestimmt ist oder vertragliche oder gesetzliche Rechte Dritter dem nicht entgegenstehen.

Bleibt die Frage: Warum? Dazu gibt es auf Wikimedia einen interessanten Beitrag, mit folgender Info: Berlin hat in den Jahren 2010 und 2011 jeweils gut eine Mio. Euro mit der „entgeltlichen Bereitstellung“ erwirtschaftet. Nicht wirklich viel. Aber die Einnahmen, die sich aus anderen Datensätzen ergaben, sind noch bescheidener: 197,23 Euro…


11 deutsche Städte haben ein Open Data Portal

behauptet jedenfalls die Zeit. Und liefert gleich eine gelungene Karte dazu. Hoffentlich bleibt die nicht ganz so übersichtlich.

In dem Zusammenhang hab ich mal wieder bei GovData vorbeigeschaut (ich hatte ja schon mal darüber berichtet) und – bin überrascht worden. Diverse Datensätze des BKG sind dort veröffentlicht und verfügbar: Als WebService und als Shape-Datei. Eine schönere Übersicht gibt es aber beim Geodatenzentrum des BKG. Glückwunsch ans BKG – geht doch!


Crowd Sourcing und Open Data in China

Ein interessanter Artikel – wenn auch recht kurz – über Crowd Sourcing Karten zum Thema Umweltverschmutzung in China. Dass Luftverschmutzung insbesondere in Peking ein Thema ist, war in den letzten Wochen ja immer wieder in den Medien.

Aktuell sind zwei Städte vertreten: Shanghai und Shaoxing. Schade nur, dass ich keinerlei Chinesisch verstehe, sonst könnte ich hier noch etwas mehr berichten.


Amtliche Geodaten in Baden-Württemberg

Wenigstens sind die Schwaben ehrlich: Des schnöden Mammons wegen wollen sie ihre Geobasisdaten nicht frei verfügbar machen. Jährlich mehrere Millionen Euro spülen die Verkäufe von Geodaten in die Landeskasse. Das ist die Kernaussage einer Anfrage der Grünen an das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz (was mich ein wenig verwirrt, da der Minister doch selbst Mitglied der Grünen ist).

Interessant ist dieser Satz aus der Antwort auf die Anfrage:

Die Bereitstellung der Geobasisdaten erfüllt bereits heute eine Vielzahl der Merkmale, die im Rahmen von Open Data gefordert werden: Sie sind einfach zugänglich, dauerhaft verfügbar, einheitlich strukturiert und maschinenlesbar, in offenen Formaten und unter gleichen Bedingungen erhältlich. Die nutzergerechte Bereitstellung der Geobasisdaten soll schrittweise weiter ausgebaut werden.

Demnach macht Google ja auch schon fast Open Data…


So wird das gemacht

Schön, dass es sowas gibt: Das Open Data Portal von Hamburg.

Eine übersichtliche Themenliste, mit verständlichen Symbolen, eine anständige und intuitive Benutzerführung und eine Suche, die die Ergebnisse liefert, die man erwartet – das ist der erste Eindruck.Das Thema „Rechtliches zu Open Data“ ist prominent platziert und bietet keine Überraschungen, wie manch andere Seite.

Schaut man ein wenig rein, findet man 34 „GIS Datensätze“, die in diversen Datenformaten verfügbar sind. Manch andere Datensätze liegen lediglich als HTML Tabellen vor. Im Überblick der Suchergebnisse sieht man, wie andere Menschen diesen Datensatz bewerten (die Bewertung selbst ist enorm einfach) sowie die Lizenz.

Wenn ich etwas bemängen wollte: Sie Seite mit den Links zu weiteren Open Data Portalen kann noch ausgebaut werden. Aber: Wo nix is, kann man auch nix verlinken…


Open Data Deutschland

Über die Open Data Pläne der Bundesregierung wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Am 19.2. soll nun laut Süddeutscher Zeitung das Portal „Gov Data“ live gehen. In diesem zentralen Portal sollen verschiedene „ebenenübergreifende“ (ich liebe Behördendeutsch!) Datensätze (also von Kommunen, Ländern und Bund) veröffentlicht werden, die explizit weiterverwendet werden dürfen.

Laut SZ sind allerdings einige „Netzaktivisten“ skeptisch, dass die Daten wirklich „offen“ sein werden: Laut BMI liegt es „im Ermessen der jeweiligen Datenbereitsteller“ ob und zu welchen Konditionen die Daten wem zur Verfügung gestellt werden. Es ist also möglich, dass die Daten für eine Seminararbeit nutzbar sein können, für kommerzielle Analyse aber nicht. Da ist folgender Screenshot doch schon fast Sinnbild:



Open Topography

„Nee, wie geil“ hab ich gedacht, als ich das hier gesehen habe: LIDAR Daten als OpenData. In den USA. Schade.

Das Portal ist wirklich einen Blick wert: Auf einer Google Maps basierten Karte sind die verfügbaren Datensätze (die zugegebenermaßen nicht alle topaktuell sind) dargestellt. So bekommt man schnell einen Eindruck davon, wo Daten verfügbar sind. Dort kann man dann ein Rechteck aufziehen und kann die Daten entweder sofort als KMZ Datei oder das gesamte DGM runterladen. Oder aber man macht ein paar Einstellungen, lässt die Daten prozessieren und freut sich auf die Email, die einen benachrichtigt, wenn die Daten fertig sind. Schon der Gedanke, dass man diese Daten für jedermann in Google Earth nutzbar bereitstellt und so eine enorme Reichweite erzielt, finde ich – bemerkenswert und beneidenswert.

Beim Geodatenzentrum des BKG kann man sich (kostenpflichtig) ein DGM im 10 Meter Raster bestellen. Mit einem Tool, dass ich jetzt nicht kommentiere sondern einfach hier zeige (weil es nicht leicht zu finden ist):

Schader.

 

Open Data und Karten

Ein kontrovers und höchst emotional diskutiertes Thema, das auf den ersten Blick weder mit Karten noch mit Open Data zu tun hat: Das Waffenrecht der USA.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die Zeitung „The Journal News“ die Adressen von Waffenbesitzern bei den Behörden angefragt, daraus eine Karte erstellt und diese im Internet veröffentlicht.

Adressen von Waffenbesitzern

Screenshot von The Journal News

The Journal News weist darauf hin, dass die Daten bei den Behörden angefragt wurden und nach dem Gesetz von New York öffentlich sind.

Die Diskussion zu dieser Karte ist – wie man im Beitrag der SZ lesen kann – wenig kontrovers. Ablehnend trifft es eher. Das ist für die USA im allgemeinen und dieses Thema im besonderen schon bemerkenswert: Dort sind ja jede Menge Daten öffentlich zugänglich – auch personenbezogene z.B. von Straftätern. Diese Karte erscheint den meisten Menschen aber eher eine Hetzjagd vor – oder wie ein Kommentar deutlich macht: Wie der offensitchliche Hinweis an alle Bad Guys, wo sie eine Knarre finden können…


2012 – ein Rückblick

So, langsam aber sicher wird es Weihnachten und dann auch 2013. Grund genug, einen kurzen Blick zurück auf das durchaus bewegte Jahr 2012 zu wagen.

Map Wars

Allein die Tatsache, dass von Map Wars gesprochen wird, stimmt mich für unsere Branche grundsätzlich optimistisch: Google, Apple, Microsoft und Amazon kämpfen mit Kartenapps und Geodaten um Endkunden. Apple hat sich blamiert, Google hat mit seiner neuen Preispolitik zahlreiche wichtige Kunden verprellt. GIS (oder vielleicht besser: Anwendungen mit Raumbezug) gewinnen an Bedeutung und Verbreitung!

Partnerschaften und Käufe

Freilich sind die Karten nur ein Teil im großen mobilen Geschäft – aber eben ein wichtiger, für den man sich mächtig ins Zeug legt. Daher wurden diverse Unternehmen  gekauft oder haben andere Unternehmen gekauft, um die Nase vor zu behalten oder nach vorne zu bekommen. ESRI – aus der „klassischen“ GIS Ecke kommend, kämpft um seine B2B und B2G Kunden und versucht gleichzeitig, einen Fuß ins B2C Geschäft zu bekommen – z.B. mit der Akquisition von Geoloqui. Derweil macht es Google umgekehrt und versucht auch im Bereich Geo mal in den B2B Bereich zu kommen – mit Google Coordinate. Auf der anderen Seite vereinbaren Autodesk und MapInfo eine Partnerschaft und Hexagon bedient mit den Lösungen von Intergraph, Leica und Erdas ganze Prozessketten. Der Markt sortiert sich gerade: Die einen suchen sich Nischen, aus denen andere sie zu vertreiben suchen, wieder andere verlassen ihre Nisschen.

Technologie

Das Thema, das ich am spannendsten finde, scheint an (weiten Teilen) der („klassischen“) Branche vorbei zu ziehen: Die IT ändert sich massiv: Die seit gefühlten hundert Jahren unveränderte Kommunikation mit dem Computer ausschließlich über die  Tastatur wird enden. Smartphones, Google Glasses oder Apples Siri: IT und wie wir damit arbeiten, ändert sich rasant. Die Geschwindkeit, mit der sich Technologien in der mobilen Welt verändern, ist ebenfalls rasant. Big Data ist eines der Hype Themen in der IT und wird an GIS nicht einfach vorbeigehen, die Cloud gewinnt immer mehr an Bedeutung. GIS Unternehmen sprechen immer noch und mehr davon, dass man GIS in komplexe Lösungen integrieren müsse – hinter dieser Aussagen stecken allerdings zahlrieche unterschiedliche Vorstellungen.

Open Data

Zahlreiche Initiativen fördern offene Daten, so auch die europäische und die deutsche Verwaltung. Auch das wird dazu führen, dass GIS sich immer stärker durchsetzen wird.

Ich bin sicher, dass sich der Markt in den nächsten zwei Jahren ordentlich umdrehen und vor allem konsolidieren wird: Zahreiche hippe Startups werden verschwinden, weil sie eben nicht mehr als Hip sind – mit Gück werden sie gekauft. Der ein oder andere etablierte Anbieter wird – schwupps – verschwinden. Bin gespannt, wer das sein wird.

Allen Lesern friedlliche Feiertage und einen guten Start in ein hoffentlich gesundes und erfolgreiches Jahr 2013!