Die Geographie von Twitter

Das könnte bald als Standardwerk gelten: Unter dem Titel “The Geography of Twitter” ist ein wissenschaftliches Papier erschienen, das absolut lesenswert ist. Jedenfalls für all diejenigen, die sich damit auseinandersetzen, wie man Twitter für geographische Auswertungen nutzen kann.

Es beschreibt so ziemlich alles, was mit Raum und Twitter zu tun hat: Wie viele Tweets auf welche Art einen Rückschluss auf den Ort des Nutzers zulassen, wie viele Nutzer wo ihre Tweets geokodiert absetzen, und Einiges mehr.

Kurz zusammengefasst: 1,5 Mrd Tweets von 70 Mio. Usern im November 2012 wurden ausgewert. Davon sind ca. 3% geokodiert in dem Sinne, dass die Anwender ihren Ort preisgeben. Allerdings ließen sich durch Geokodierung der Tweets insgesamt ca. 34% der Tweets kartieren. Die Methoden dazu werden grob beschrieben. Rund die Hälfte der Tweets haben mit dem näheren Umfeld zu tun. Und zur Frage, wie relevant Twitter ist: “where there is electricity, there are tweets.”


Die Vermessung der Schweizer GIS Szene

Ralph Straumann hat schon mal einen sehr interessanten Beitrag geschrieben – damals ging es um die geokodierte Fotos, die auf einer dynamischen Karte dargestellt wurden.

Nun hat er die schweizerische GIS Szene 2.0 in Twitter “vermessen”, also die virtuelle Landschaft beschrieben: Was verbindet die Leute miteinander und warum. Sehr lesenswert. Wirklich. Vor allem, wenn man sich als Geograph mal ernsthaft mit dem Begriff “Landschaft” auseinandergesetzt hat.


Was Foursquare fourhat

Diesen Artikel von Foursquare hatte ich schon vor einigen Tagen gefunden, komme aber leider erst jetzt dazu, darüber zu schreiben. Was im Wesentlichen daran liegt, dass ich ihn erstmal selber lesen wollte.

Foursquare hat über drei Monate alle CheckIns ausgewertet und jeweils als Punkt dargestellt. Das ergibt einige wirklich coole Karten, wie die hier.

Quelle: https://foursquare.com/infographics/500million

Dazu schreiben die Leute von foursquare, was sie mit “ihren” Daten machen wollen:

  1. Nicht nur die Punkte sondern auch die Reihenfolge der CheckIns sind wichtig. Sprich: Es kommt nicht nur darauf an, welche Orte Menschen gerne besuchen, sondern auch, welche Orte sie gerne als nächstes besuchen. So wie Google Seiten und Amazon Produkte empfiehlt, will Foursquare dann echte Orte empfehlen.
  2. Eine aktuelle Datenbank aufbauen, die jede Menge Orte enthält. Das ist wohl die naheliegendste Idee, wie man diese Datenvergolden kann.
  3. Was viele Leute heute bereits als Geschäftsmodell sehen und warum dieser Markt von Google, Apple und andere so heftig umkämpft wird: Man will den Geschäften, Museen, Gaststätten etc. neue Möglichkeiten geben, wie sie mit ihren (heute anonymen) Kunden interagieren können.

Alles irgendwie naheliegend. Heute jedenfalls.

Twittern

Geokodierte Fotos im Verlauf eines Tages

Bewegte Karten kennt man ja inzwischen – z.B. anhand der Zugverspätungen - hier nun eine weitere: Wann wurden wo von wie vielen Menschen Fotos gemacht?

Diurnal and spatial patterns of georeferenced Flickr photographs in the city of Zurich (Switzerland) from Ralph Straumann on Vimeo.

Um diese Karte zu erstellen, wurden 80.000 geokodierte FlickR Fotos aus Zürich ausgewertet. Ich kenne mich in Zürich kaum aus (nur den Sprüngli Laden mit der Super Schokolade würde ich sicher wieder finden und dort wieder arm und dick werden), aber Ralph Straumann kommentiert das auf dieser Seite.


Geomarketing und Social Media

Wer noch daran zweifelt, dass Social Media massives Potenzial für Geomarketing bieten: Obama hat seinen Wahlerfolg zum (großen) Teil der enorm effizienten Ansprache von Menschen via Twitter zu verdanken, wie u.a. Focus Online berichtet.

Zum Thema Geomarketing - das dürfte für die meisten Leser dieses Blogs eher alltagsrelevant sein, als Wahlkämpfe zu organisieren – und Social Media ist hier ein Artikel zum Einstieg.


One Million Tweet Map

Eine Karte der letzten Tweets sehen? Das noch nach Hashtags filtern? Oder nur die letzten 5 Minuten anschauen?

Das geht mit onemilliontweetmap. Es gibt ja bereits Tools, mit denen sich Tweets räumlich auswerten lassen. Hier gibt es aber ein paar neue Möglichkeiten:

  • Man kann die dargestellten Tweets zeitlich eingrenzen,
  • Man kann nach Keywords oder Hashtags filtern. Sucht man nz.B. nach #Windows8, zeigt die Anwendung gleich verwandte Begriffe wie #win8, #microsoft etc.,
  • man kann sich Heatmaps und Cluster anzeigen lassen.


Mit Twitter Waldbrände verorten

Geographic Context Analysis of Volunteered Geographic Information (GeoConAVI) ist ein Ansatz, geographische Informationen aus Twitter und FlickR zu einem bestimmten Thema auf einer Karte sichtbar zu machen.

Im konkreten Fall geht es darum, Informationen über Waldbrände aus Twitter Feeds zu filtern und auf eine Karte zu malen. Ziel dabei ist, möglichst schnell brauchbare Informationen zu Naturkatastrophen zu erhalten. Wenn der Ansatz sich bewährt, bieten sich freilich jede Menge weiterer Anwendungsfelder. Sehr spannend das…


Facebook Freunde auf der Karte

Was ich für Twitter schon längst gefunden hatte (siehe auch hier), habe ich für Facebook bislang vermisst. MapSocial stellt nun endlich Facebook Freunde auf einer Karte dar. Da mein Facebook Account seit langer Zeit nicht mehr in Gebrauch ist, musste ich also erst einmal suchen, bis ich den wieder nutzen konnte.

Die MapSocial App basiert auf OSM Daten, ist noch im Beta und funktioniert leider arg hakelig. Zusätzlich kann man damit auch einfach Fotos oder Kommentare auf Karten platzieren,  und die Bedienung ist einfach: Im Facebook AppCenter MapSocial auswählen, Friendmap erzeugen und dann die Freunde importieren. Ein wenig Hand ans Layout legen (kann man laut Beschreibung, ich konnte das allerdings nicht) und fertig ist die Karte.

Quelle: Facebook, Map Social App; irgendein Facebook Account

Für all diejenigen, die Social Media Marketing betreiben, aus meiner Sicht komplett unverzichtbar. ich bin gespannt, wann der logische nächste Schritt dann möglich ist: Verschneiden dieser Infos mit Daten der Marktforschung…


Twitter Heatmaps

Ich steh ja auf Karten, die die Welt nicht braucht. Zum einen regen sie mich wider Erwarten dann doch immer dazu an, nachzudenken. Zum andern sind sie einfach schön.

Hier ist so eine Karte: Eine Karte, die zeigt, wo in den USA die Leute tweets mit “good morning” twittern und wo “fuck you”. Für die weniger anglophonen Leser: ersteres ist durchaus höflich, letzteres eher nicht so sehr. Das Ganze wird, wenn man auf den play Knopf klickt, im Tagesverlauf gezeigt. Man sieht im einen Fall förmlich die Sonne aufgehen (zumindest in einigen Teilen der USA) im anderen, wo sich der Tag ungünstig entwickelt.

Und jetzt stellt Euch mal vor, wie man auf diese Art und Weise Wahlkämpfe und andere Kampagnen analysieren und steuern kann.


 

Social Networks in der Nachbarschaft

Ich glaube, der Punkt ist erreicht, an dem wir alle das Thema Kommunikation mal überdenken sollten. In den USA hat das Social Network Nextdoor (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Produkt von WiGeoGIS) inzwischen Einwohner aus 3.600 Gemeinden (wahrscheinlich besser übersetzt als Gemeinschaften) zusammengebracht.

Angeblich kennen rund 30% der Amerikaner keinen einzigen ihrer Nachbarn namentlich. Nun reden wenigstens einige von ihnen via Nextdoor miteinander. Aktiviert wurden sie durch klassische Papierbriefe. Die Mitglieder müssen nachweisen, dass sie wirklich dort wohnen, wo sie es angeben und absolute Diskretion wird gewährleistet – im Netz nicht ganz trivial. Wie sichergestellt wird, dass die Mitglieder miteinander und nicht übereinander reden, ist mir nicht klar, aber ein sicherlich ein wesentliches Erfolgskriterium.
Nochmal zum Verstehen: Nachbarn lernen einander via Internet kennen, verabreden sich via Internet zum Grillen im jeweiligen Garten oder klären, wer bei wem Nikolaus spielt.

Das Geschäftsmodell dahinter scheint noch nicht so recht zu klappen (wer sollte das auch noch nutzen, wenn er seine Nachbarn dann mal kennt?), dennoch bekommt NextDoor jetzt noch mal Geld. 18Mio US$.

Lesenswerte Artikel zu dem Thema: